Lagot­to Romagnolo

- eine ehr¬≠li¬≠che Rassebeschreibung -

Vor¬≠wort: In die¬≠sem Arti¬≠kel wer¬≠den eini¬≠ge unbe¬≠que¬≠me Din¬≠ge aus dem Leben mit Lagot¬≠ti ange¬≠spro¬≠chen. Nat√ľr¬≠lich las¬≠sen sich all die¬≠se trainieren/ mana¬≠gen und wir wis¬≠sen nie zu 100% wie viel Gene¬≠tik wirk¬≠lich aus¬≠macht und wel¬≠ches Ver¬≠hal¬≠ten ande¬≠re Urspr√ľn¬≠ge hat. Die¬≠ser Text soll jedoch defi¬≠ni¬≠tiv kei¬≠ne Trai¬≠nings¬≠an¬≠lei¬≠tung sein. Er soll beschrei¬≠ben wie das Leben mit einem Lagot¬≠to sein kann, wel¬≠che Ver¬≠hal¬≠tens¬≠wei¬≠sen h√∂chst¬≠wahr¬≠schein¬≠lich auf¬≠tre¬≠ten und mit wel¬≠chen Schwie¬≠rig¬≠kei¬≠ten man rech¬≠nen soll¬≠te. Wie immer gilt: Hun¬≠de sind Indi¬≠vi¬≠du¬≠en und nichts von all dem, was ich schrei¬≠be, muss auf jeden Lagot¬≠to zutref¬≠fen! Ich schrei¬≠be aus der Per¬≠spek¬≠ti¬≠ve als Trai¬≠ne¬≠rin, die sich seit ca. 5 Jah¬≠ren kri¬≠tisch mit der Ras¬≠se aus¬≠ein¬≠an¬≠der¬≠setzt und eini¬≠ge Lagot¬≠ti ken¬≠nen¬≠ler¬≠nen durf¬≠te. Ich habe unz√§h¬≠li¬≠ge Gespr√§¬≠che mit Men¬≠schen gef√ľhrt, die schon vie¬≠le Jah¬≠re Hun¬≠de die¬≠ser Ras¬≠se hal¬≠ten und jedes online und off¬≠line erreich¬≠ba¬≠re Wis¬≠sen zur Ras¬≠se aufgesogen. 

Ich m√∂ch¬≠te einen Teil dazu bei¬≠tra¬≠gen, dass Men¬≠schen sich die¬≠se in Mode gekom¬≠me¬≠nen Hun¬≠de wirk¬≠lich gut anschau¬≠en. Lernt Lagot¬≠ti im ech¬≠ten Leben ken¬≠nen, lasst euch auch die ner¬≠vi¬≠gen Aspek¬≠te erz√§h¬≠len. Reflek¬≠tiert ehr¬≠lich wie gut euer Leben zu so einem sen¬≠si¬≠blen Hund passt. Und wenn ihr dann immer noch ja sagt: viel Spa√ü mit den tolls¬≠ten Kobol¬≠den, die es gibt! 

Ja, ich gebe es zu ‚ÄĒ vor weni¬≠gen Jah¬≠ren noch habe ich selbst erst ein¬≠mal recher¬≠chie¬≠ren m√ľs¬≠sen, was der Lagot¬≠to eigent¬≠lich f√ľr ein Hund ist. Damals hat man in Deutsch¬≠land noch sehr sel¬≠ten wel¬≠che von ihnen getrof¬≠fen. In der Hun¬≠de¬≠schu¬≠le hat¬≠te ich zu die¬≠ser Zeit auch noch kei¬≠nen als Kun¬≠den. 

Heu¬≠te sieht das anders aus. Lagot¬≠ti sind modern gewor¬≠den und man trifft sie inzwi¬≠schen auf fast jeder Hun¬≠de¬≠wie¬≠se und in den Hun¬≠de¬≠schu¬≠len h√§u¬≠fen sie sich nun auch. Es gibt unz√§h¬≠li¬≠ge Ras¬≠se¬≠be¬≠schrei¬≠bun¬≠gen und dies hier soll eine wei¬≠te¬≠re wer¬≠den. Jedoch kei¬≠ne, die sich in die ande¬≠ren ein¬≠rei¬≠hen l√§sst. 

Eine kur¬≠ze Recher¬≠che stellt den Lagot¬≠to als idea¬≠len Hund da: Per¬≠fekt geeig¬≠net f√ľr Anf√§n¬≠ger, kin¬≠der¬≠freund¬≠lich und das bes¬≠te: anti¬≠all¬≠er¬≠gen! Denn er ver¬≠liert kein Fell und damit bleibt auch die Woh¬≠nung sch√∂n sau¬≠ber (haha¬≠ha, sp√§¬≠ter mehr dazu‚Ķ) 

Der Lagot¬≠to ist mit¬≠tel¬≠gro√ü, hand¬≠lich und sehr pfle¬≠ge¬≠leicht. Ein wei¬≠te¬≠res High¬≠light: sein Jagd¬≠in¬≠stinkt ist erlo¬≠schen (Ja, echt. Das steht in den Ras¬≠se¬≠be¬≠schrei¬≠bun¬≠gen!). Er ist super ein¬≠fach aus¬≠zu¬≠bil¬≠den und nicht beson¬≠ders anspruchs¬≠voll, noch dazu gibt es ihn in vie¬≠len bun¬≠ten Far¬≠ben. 

Was will man mehr!? 

Mei¬≠ne Lagot¬≠to H√ľn¬≠din Uschi mit 10 Wochen. Ein zucker¬≠s√ľ¬≠√ües Woll¬≠kn√§u¬≠el im Kindchenschema.

Seit ein paar Jah¬≠ren besch√§f¬≠ti¬≠ge ich mich nun mit der Ras¬≠se, ich bin kei¬≠nes¬≠wegs ein Pro¬≠fi in Bezug auf die Zucht¬≠li¬≠ni¬≠en und Ahnen¬≠ta¬≠feln. Und doch habe ich inzwi¬≠schen nicht nur zwei eige¬≠ne Hun¬≠de der Ras¬≠se, son¬≠dern auch im Umfeld der Hun¬≠de¬≠schu¬≠le eini¬≠ge erlebt. Mein Blick als Hun¬≠de¬≠trai¬≠ne¬≠rin mit lang¬≠j√§h¬≠ri¬≠ger Erfah¬≠rung unter¬≠schied¬≠lichs¬≠ter Arbeits¬≠ras¬≠sen hilft mir da ein Gef√ľhl f√ľr die Ras¬≠se zu bekom¬≠men. 

Die ers¬≠ten Schlag¬≠wor¬≠te, die mir in den Kopf kom¬≠men, wenn ich an Lagot¬≠ti den¬≠ke, sind: extrem sen¬≠si¬≠bel. Viel Ener¬≠gie. Hoch anspruchs¬≠voll. Kl√§f¬≠fen. 

Der Lagot¬≠to ist eine sehr alte Hun¬≠de¬≠ras¬≠se, man ver¬≠mu¬≠tet, dass sie bereits seit dem 15 Jahr¬≠hun¬≠dert in Ita¬≠li¬≠en gez√ľch¬≠tet wird. Und zwar mit nur einem Ziel: Arbeits¬≠leis¬≠tung. Die ers¬≠te Kar¬≠rie¬≠re leg¬≠te er als Jagd¬≠hund am Was¬≠ser hin, sp√§¬≠ter kam dann die Spe¬≠zia¬≠li¬≠sie¬≠rung auf die Tr√ľf¬≠fel¬≠su¬≠che. Neben der Jagd soll¬≠te der Lagot¬≠to auch schon immer die Beu¬≠te sei¬≠nes Men¬≠schen bewa¬≠chen. Daher haben eini¬≠ge Lagot¬≠ti es im Blut, frem¬≠den Men¬≠schen zu miss¬≠trau¬≠en und Ran¬≠da¬≠le am Gar¬≠ten¬≠zaun geh√∂¬≠ren zum guten Ton.

Die extrem lan­ge Selek­ti­on nach Leis­tung macht eins deut­lich: Die­ser Hund muss Ener­gie haben, er ist durch und durch ein Arbeitstier.

Es ist mir kom¬≠plett schlei¬≠er¬≠haft, wie solch eine Ras¬≠se als anf√§n¬≠ger¬≠taug¬≠lich und fami¬≠li¬≠en¬≠freund¬≠lich beschrie¬≠ben ‚ÄĒ ja sogar ange¬≠prie¬≠sen wer¬≠den kann. 

Mei¬≠ne Lagot¬≠to H√ľn¬≠din Mala mit 7 Mona¬≠ten in der kur¬≠zen Arbeitsschur.

Nicht falsch ver¬≠ste¬≠hen: ich lie¬≠be die¬≠se Ras¬≠se sehr und bereue es kei¬≠nen Tag von den H√ľte¬≠hun¬≠den auf Lagot¬≠ti umge¬≠stie¬≠gen zu sein. Und trotz¬≠dem: es sind wirk¬≠lich rich¬≠tig anspruchs¬≠vol¬≠le Tie¬≠re. 

Tum¬≠melt man sich bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se in den ein¬≠schl√§¬≠gi¬≠gen Face¬≠book Grup¬≠pen, in denen Fra¬≠gen zur Ras¬≠se dis¬≠ku¬≠tiert wer¬≠den, stellt man schnell fest, dass eine gro¬≠√üe Zahl der jun¬≠gen Fami¬≠li¬≠en, die dem Zau¬≠ber der h√ľb¬≠schen Locken¬≠k√∂p¬≠fe ver¬≠fal¬≠len sind, nach den ers¬≠ten Mona¬≠ten mit ihrem Wel¬≠pen dem Wahn¬≠sinn nah sind. Die Fra¬≠ge nach der idea¬≠len Trai¬≠nings¬≠tech¬≠nik f√ľr Lei¬≠nen¬≠f√ľh¬≠rig¬≠keit ist ein Dau¬≠er¬≠bren¬≠ner und oft lau¬≠tet die resi¬≠gnier¬≠te Ant¬≠wort nur: ‚ÄěWar¬≠te 3‚Äď8 Jah¬≠re, dann wird das viel¬≠leicht irgend¬≠wann von allei¬≠ne bes¬≠ser. Viel¬≠leicht auch nicht.‚Äú Vie¬≠le Lagot¬≠ti kl√§f¬≠fen stun¬≠den¬≠lang im Auto, bud¬≠deln das auf¬≠w√§n¬≠dig ange¬≠leg¬≠te Stau¬≠den¬≠beet zu Schutt und Asche oder haben mas¬≠si¬≠ve Angst vor frem¬≠den Men¬≠schen. Auch Ger√§uschangst, Begeg¬≠nungs¬≠pro¬≠ble¬≠me mit Art¬≠ge¬≠nos¬≠sen oder (oh Wun¬≠der!) mas¬≠si¬≠ves Jagd¬≠ver¬≠hal¬≠ten kann die rosa Wol¬≠ke vom nicht haa¬≠ren¬≠den Anf√§n¬≠ger¬≠hund schnell plat¬≠zen las¬≠sen. 

Apro¬≠pos nicht haa¬≠rend: Ich habe noch nie so viel Zeit und Geld in Fell¬≠pfle¬≠ge inves¬≠tiert, wie ich es tue, seit Lagot¬≠ti bei mir leben. Ich habe hun¬≠der¬≠te Euro f√ľr eine bes¬≠se¬≠re Scher¬≠ma¬≠schi¬≠ne, Scher¬≠tisch und Blower aus¬≠ge¬≠ge¬≠ben, weil die st√§n¬≠di¬≠gen Fri¬≠s√∂r¬≠be¬≠su¬≠che nicht nur unfass¬≠bar teu¬≠er w√§ren, son¬≠dern die  Sen¬≠si¬≠bel¬≠chen ja auch erst ein¬≠mal lang¬≠sam dar¬≠an gew√∂hnt wer¬≠den m√ľs¬≠sen. Ach und das Ohren¬≠pu¬≠der und Ohren¬≠pfle¬≠ge¬≠pro¬≠duk¬≠te h√§t¬≠te ich fast ver¬≠ges¬≠sen. Wenn ihr mich fragt, die unan¬≠ge¬≠nehms¬≠te Sache am Lagot¬≠to: es wach¬≠sen Haa¬≠re aus den Ohren, die unbe¬≠dingt gezupft wer¬≠den m√ľs¬≠sen, da sich sonst schon beim Wel¬≠pen super schnell eine Ohren¬≠ent¬≠z√ľn¬≠dung mani¬≠fes¬≠tiert. 

Lagot¬≠ti gibt es in ganz unter¬≠schied¬≠li¬≠chen Farb¬≠kom¬≠bi¬≠na¬≠tio¬≠nen von rein¬≠wei√ü bis dun¬≠kel¬≠braun. Eins haben alle gemein¬≠sam: die Nase ist immer braun, schwar¬≠ze Pig¬≠men¬≠te gibt es nicht.

Ich schrei¬≠be die¬≠sen Arti¬≠kel gera¬≠de im Hoch¬≠som¬≠mer ‚ÄĒ es ist Gran¬≠nen¬≠zeit. In den vie¬≠len Jah¬≠ren vor¬≠her mit H√ľte¬≠hun¬≠den war mir die Panik um die Gran¬≠nen v√∂l¬≠lig schlei¬≠er¬≠haft. Jetzt ver¬≠ste¬≠he ich sie. Das Fell der Lagot¬≠ti hat einen inte¬≠grier¬≠ten Gran¬≠nen¬≠ma¬≠gne¬≠ten und Besit¬≠zer der Ras¬≠se atmen j√§hr¬≠lich auf, wenn sie die Sai¬≠son ohne gr√∂¬≠√üe¬≠ren tier¬≠√§rzt¬≠li¬≠chen Ein¬≠griff √ľber¬≠stan¬≠den haben. 

Zu der immer wie¬≠der beton¬≠ten Aus¬≠sa¬≠ge, Lagot¬≠ti w√§re der Jagd¬≠in¬≠stinkt weg¬≠ge¬≠z√ľch¬≠tet wor¬≠den, kann ich nur lachen. Alle Lagot¬≠ti, die ich ken¬≠ne, zei¬≠gen Jagd¬≠ver¬≠hal¬≠ten. Alle. 

Jedoch ist eine Sache tat¬≠s√§ch¬≠lich anders, als bei man¬≠chen ande¬≠ren Hun¬≠den. Eini¬≠ge Lagot¬≠ti reagie¬≠ren nicht son¬≠der¬≠lich stark auf sicht¬≠ba¬≠res Wild. Ein Reh auf der Wie¬≠se z.B. ist kein extrem gro¬≠√üer Reiz. Sie schaf¬≠fen es meis¬≠tens ganz gut das Reh anzu¬≠gu¬≠cken und wenn man kurz dar¬≠auf ein¬≠geht, jagen sie es tat¬≠s√§ch¬≠lich nicht. Dann muss man aber hof¬≠fen, dass der Wind g√ľns¬≠tig steht oder das Reh von der ande¬≠ren Sei¬≠te her gelau¬≠fen kam. Kommt der Lagot¬≠to n√§m¬≠lich auf die F√§hr¬≠te, die das Reh vor¬≠her gelau¬≠fen ist, geht die Nase run¬≠ter und es gibt kein Hal¬≠ten mehr.

Ich wei√ü nicht, wie es dir geht, aber ich fin¬≠de die¬≠se geruch¬≠li¬≠chen Trig¬≠ger viel schwie¬≠ri¬≠ger zu trai¬≠nie¬≠ren, weil sie f√ľr mich schlicht und ein¬≠fach nicht vor¬≠her wahr¬≠nehm¬≠bar sind. Das Jagd¬≠ver¬≠hal¬≠ten eines Lagot¬≠tos ist sicher in der Inten¬≠si¬≠t√§t und Trai¬≠nier¬≠bar¬≠keit nicht mit einem Dackel oder Viszla zu ver¬≠glei¬≠chen, aber wenn du √ľber¬≠legst einen Lagot¬≠to auf¬≠zu¬≠neh¬≠men: sei dir bewusst du wirst fr√ľ¬≠her oder sp√§¬≠ter die¬≠sem The¬≠ma Zeit wid¬≠men m√ľssen.

San­ti­no hat die klas­si­sche Fri­sur mit län­ge­rem Fell am Kopf und kurz gescho­re­nem Körper.

Ein wei¬≠te¬≠rer Aspekt, den ich span¬≠nend und schwie¬≠rig zugleich fin¬≠de: Lagot¬≠ti sind extrem unter¬≠schied¬≠lich im Wesen. Es gibt rich¬≠tig coo¬≠le Socken und abso¬≠lu¬≠te Ner¬≠ven¬≠b√ľn¬≠del. Nat√ľr¬≠lich ist die¬≠se Streu¬≠ung in jeder Ras¬≠se vor¬≠han¬≠den ‚ÄĒ am Ende sind es alles Indi¬≠vi¬≠du¬≠en und es gibt weit¬≠aus mehr Ein¬≠fl√ľs¬≠se, als die Gene¬≠tik. Und den¬≠noch: Wer allei¬≠ne mei¬≠ne zwei M√§dels ken¬≠nen¬≠lernt, fragt sich oft, ob sie wirk¬≠lich von der sel¬≠ben Ras¬≠se sind. Ich mag die Unter¬≠schie¬≠de sehr, trotz¬≠dem ist das ein wei¬≠te¬≠rer Fak¬≠tor, der es uner¬≠fah¬≠re¬≠nen Hun¬≠de¬≠men¬≠schen schwer macht ein Gef√ľhl f√ľr die Ras¬≠se zu bekommen.

Ob man einen die¬≠ser super ent¬≠spann¬≠ten Locken¬≠k√∂p¬≠fe bekommt, oder ob man in Zukunft vie¬≠le Stun¬≠den in der Hun¬≠de¬≠schu¬≠le ver¬≠brin¬≠gen wird, weil Ger√§uschangst und Aggres¬≠si¬≠on den All¬≠tag bestim¬≠men ‚ÄĒ kaum vor¬≠her¬≠seh¬≠bar. Ich wage zu behaup¬≠ten, dass das Risi¬≠ko f√ľr zwei¬≠te¬≠res etwas H√∂her ist. 

Um das zu ver¬≠ste¬≠hen, ein paar ehr¬≠li¬≠che Bei¬≠spie¬≠le aus unse¬≠rem All¬≠tag: Uschi ist ein Ener¬≠gie¬≠b√ľn¬≠del. Sie hat schon immer ein grund¬≠s√§tz¬≠lich hohes Erre¬≠guns¬≠ni¬≠veau und sehr lose Stimm¬≠b√§n¬≠der. So bald ihre Erre¬≠gung steigt, bellt und/ oder rennt sie. Und die Erre¬≠gung steigt schnell. Uschi ist auf dem Spa¬≠zier¬≠gang eigent¬≠lich nur im Galopp unter¬≠wegs und ger¬≠ne in wei¬≠tem Radi¬≠us. Wenn sie nicht min¬≠des¬≠tens eine vol¬≠le Stun¬≠de Frei¬≠lauf hat¬≠te, ist sie den gan¬≠zen Tag unzu¬≠frie¬≠den. (Und wer hier jetzt an Erzie¬≠hung denkt, ich den¬≠ke als Trai¬≠ne¬≠rin kann ich schon ganz gut ech¬≠te Bed√ľrf¬≠nis¬≠se von aner¬≠zo¬≠ge¬≠nem Ver¬≠hal¬≠ten unter¬≠schei¬≠den ūüėČ ) Uschi hat defi¬≠ni¬≠tiv an aller¬≠ers¬≠ter Stel¬≠le das gro¬≠√üe Bed√ľrf¬≠nis sich zu bewe¬≠gen. Und kei¬≠ne Sor¬≠ge, nat√ľr¬≠lich kann sie auch gut ent¬≠span¬≠nen, aber das war Trai¬≠ning und h√§t¬≠te sie uns nicht ein¬≠fach so geschenkt. 

Daf√ľr ist sie schon immer ein Son¬≠nen¬≠schein mit jedem Mensch und Hund. Sie l√§sst sich auf der Stra¬≠√üe gedul¬≠dig von unbe¬≠hol¬≠fe¬≠nen Frem¬≠den strei¬≠cheln und ist sehr kom¬≠pe¬≠tent in Hun¬≠de¬≠be¬≠geg¬≠nun¬≠gen. Unse¬≠re Nach¬≠barn ken¬≠nen von ihr haupt¬≠s√§ch¬≠lich die Stim¬≠me, denn h√∂rt sie auch nur eine Maus hus¬≠ten, wird ange¬≠schla¬≠gen was das Zeug h√§lt. (Dan¬≠ke f√ľr die Geduld an die¬≠ser Stelle!)

Wenn Uschi nicht ren­nen darf, wird sie äußerst unleid­lich im Alltag.

Mala ist da anders. Sie ist eigent¬≠lich immer in einem nahen Radi¬≠us um mich her¬≠um zu fin¬≠den und chillt den gan¬≠zen Tag auch ohne gro¬≠√üen Spa¬≠zier¬≠gang. Bel¬≠len h√∂rt man sie fast nie. Sie kann Stun¬≠den¬≠lang im Gar¬≠ten lie¬≠gen, die Gegend beob¬≠ach¬≠ten oder ein¬≠fach schla¬≠fen. Daf√ľr hat Mala eine ande¬≠re Her¬≠aus¬≠for¬≠de¬≠rung mit¬≠ge¬≠bracht: sie ist extrem skep¬≠tisch in Bezug auf frem¬≠de Hun¬≠de und Men¬≠schen. Wer unge¬≠fragt ver¬≠sucht sie zu strei¬≠cheln, bekommt schon mal ein √§rger¬≠li¬≠ches Wuf¬≠fen als Ant¬≠wort und im Erst¬≠kon¬≠takt mit frem¬≠den Hun¬≠den tut sie sich noch schwer. Das war anfangs so aus¬≠ge¬≠pr√§gt, dass sie v√∂l¬≠lig hys¬≠te¬≠risch und kopf¬≠los um sich gebis¬≠sen hat, als sie nicht wuss¬≠te, wie sie eine f√ľr sie schwie¬≠ri¬≠ge Situa¬≠ti¬≠on l√∂sen soll.

Kennt sie einen Men¬≠schen oder einen Hund ein¬≠mal, ist sie v√∂l¬≠lig ver¬≠trau¬≠ens¬≠voll, aber das war ehr¬≠lich gesagt viel Trai¬≠ning in den ers¬≠ten Lebens¬≠mo¬≠na¬≠ten. Mala ist zwar f√ľr Au√üen¬≠ste¬≠hen¬≠de der ange¬≠neh¬≠me¬≠re Hund unse¬≠rer bei¬≠den Lagot¬≠ti (bellt sehr sel¬≠ten, ist unschein¬≠bar Zuhau¬≠se, ist schein¬≠bar mit wenig zufrie¬≠den), aber ganz ehr¬≠lich: sie hat Poten¬≠ti¬≠al mit¬≠ge¬≠bracht rich¬≠tig schwie¬≠rig zu wer¬≠den und dass sie jetzt ent¬≠spannt durch den All¬≠tag geht, war ech¬≠te Arbeit. 

Lagot¬≠ti sind poten¬≠ti¬≠ell schreck¬≠haft und ger√§usch¬≠emp¬≠find¬≠lich und einen guten Trai¬≠nings¬≠plan f√ľr Medi¬≠cal Trai¬≠ning soll¬≠te man am bes¬≠ten schon ab dem Wel¬≠pen¬≠al¬≠ter parat haben. Mein Tier¬≠arzt sag¬≠te sofort beim ers¬≠ten Besuch mit dem Zwer¬≠gen¬≠wel¬≠pen zu mir: ‚ÄěOh weh, ein Lagot¬≠to! Die sind die schlimms¬≠ten in der Pra¬≠xis!‚Äú Und tat¬≠s√§ch¬≠lich: vie¬≠le der sen¬≠si¬≠blen Hun¬≠de f√ľh¬≠len sich sehr unwohl auf dem Behand¬≠lungs¬≠tisch. 

Da ist aber lei¬≠der nicht nur ein¬≠mal j√§hr¬≠lich ein Check¬≠up beim Tier¬≠arzt das Pro¬≠blem, son¬≠dern alle paar Wochen die Fell¬≠pfle¬≠ge. Regel¬≠m√§¬≠√üi¬≠ges Sche¬≠ren des gan¬≠zen K√∂r¬≠pers ist ohne¬≠hin selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich. Doch wuss¬≠test du, dass die Hun¬≠de schon nach 2‚Äď4 Wochen schon wie¬≠der so vie¬≠le Haa¬≠re vor den Augen haben, dass sie schlecht sehen? Oder dass bei man¬≠chen von ihnen die Anal- und Geni¬≠tal¬≠re¬≠gi¬≠on so extrem behaart ist, dass es unhy¬≠gie¬≠nisch und unge¬≠sund wird, wenn man nicht zwi¬≠schen¬≠durch mal schnell die Sche¬≠re ansetzt? (Klar¬≠text: Sie k√∂n¬≠nen so vie¬≠le Haa¬≠re am Po haben, dass der Kot h√§n¬≠gen bleibt. Das ist nicht nur ekel¬≠haft, son¬≠dern kann bis hin zu Ent¬≠z√ľn¬≠dun¬≠gen f√ľh¬≠ren!) 

Das Hand¬≠ling rund um Fell¬≠pfle¬≠ge und medi¬≠zi¬≠ni¬≠scher Ver¬≠sor¬≠gung muss also unbe¬≠dingt mit gutem Medi¬≠cal Trai¬≠ning auf¬≠ge¬≠baut wer¬≠den, sonst hat man ein Leben lang alle paar Wochen rich¬≠tig Stress. Die Tak¬≠tik: ‚ÄěAugen zu und durch‚Äú funk¬≠tio¬≠niert bei den wenigs¬≠ten Lagot¬≠ti, die ich ken¬≠ne. 

Din­ge wie Fell­pfle­ge, Kral­len schnei­den und Tier­arzt­be­su­che sind bei uns rela­tiv ent­spannt, wur­den aber vom ers­ten Tag an mit den Wel­pen trainiert.

Das waren ein paar har¬≠te Wor¬≠te und viel¬≠leicht fragst du dich jetzt: war¬≠um hat sie Hun¬≠de der Ras¬≠se, wenn sie so schlimm sind? Ganz ein¬≠fach: weil sie f√ľr mein Leben zum aktu¬≠el¬≠len Zeit¬≠punkt per¬≠fekt sind und ich ihre Art √ľber alles liebe.

Ich arbei¬≠te mit mei¬≠nen Hun¬≠den in der Nasen¬≠ar¬≠beit, lebe auf dem Land auf einem gro¬≠√üen Hof mit viel Platz und vor allem: ver¬≠st√§nd¬≠nis¬≠vol¬≠len Nach¬≠barn. Ich habe viel Erfah¬≠rung mit sen¬≠si¬≠blen Hun¬≠den und sehe auf¬≠kom¬≠men¬≠de Pro¬≠ble¬≠me sofort. Ein Lagot¬≠to ist unter ande¬≠rem auf Grund sei¬≠ner Sen¬≠si¬≠bi¬≠li¬≠t√§t auch sehr schnell und ein¬≠fach zu trai¬≠nie¬≠ren. Aber mann muss eben genau¬≠so schnell sein und am bes¬≠ten sofort im All¬≠tag mit ent¬≠spre¬≠chen¬≠den Ma√ü¬≠nah¬≠men reagie¬≠ren. 

Wir haben einen ruhi¬≠gen All¬≠tag hier bei uns, die Hun¬≠de bekom¬≠men viel Schlaf und par¬≠al¬≠lel viel Aus¬≠lauf und bed√ľrf¬≠nis¬≠be¬≠frie¬≠di¬≠gen¬≠de Besch√§f¬≠ti¬≠gung. In einer Fami¬≠lie, in der meh¬≠re¬≠re klei¬≠ne Kin¬≠der einen auf¬≠re¬≠gen¬≠den All¬≠tag mit sich brin¬≠gen, viel Unru¬≠he herrscht und wenig auf den Hund ein¬≠ge¬≠gan¬≠gen wer¬≠den kann, sehe ich defi¬≠ni¬≠tiv kei¬≠nen Lagot¬≠to. Egal, ob man einen ruhi¬≠ge¬≠ren oder stres¬≠si¬≠ge¬≠ren Ver¬≠tre¬≠ter der Ras¬≠se erwischt hat ‚ÄĒ ich ken¬≠ne kei¬≠nen Lagot¬≠to, der ein¬≠fach so ent¬≠spannt mit l√§uft, ohne dass viel Zeit & Ener¬≠gie in ihn gesteckt wird. (Dass das mei¬≠ner Mei¬≠nung nach jedem Hund zusteht, ist ein ande¬≠res The¬≠ma und wenn ich dazu jetzt hier mehr schrei¬≠be, muss ich doch ein Buch schrei¬≠ben und nicht nur einen Arti¬≠kel ūüėČ ) 

Was mir im All¬≠tag mit Lagot¬≠ti v√∂l¬≠lig neu ist: ich wer¬≠de st√§n¬≠dig ange¬≠spro¬≠chen! Auf jedem Spa¬≠zier¬≠gang fragt jemand wel¬≠che Ras¬≠se das wohl ist oder kom¬≠men¬≠tiert ent¬≠z√ľckt wie s√ľ√ü die ja sei¬≠en. Mich st√∂rt das kei¬≠nes¬≠wegs, weil oft net¬≠te Gespr√§¬≠che dar¬≠aus ent¬≠ste¬≠hen, den¬≠noch war ich zu Beginn schon irri¬≠tiert. Das ist mir mit mei¬≠nen h√ľb¬≠schen Aus¬≠sies nie in der H√§u¬≠fig¬≠keit pas¬≠siert. 

Man sagt den Lagot¬≠ti eine spe¬≠zi¬≠el¬≠le Art nach. Sie sei¬≠en eben anders. Ein¬≠fach Lagot¬≠to eben. Wie klei¬≠ne Kobol¬≠de. Die¬≠se Beschrei¬≠bung habe ich fr√ľ¬≠her nie ver¬≠stan¬≠den und lei¬≠der kann ich sie auch bis heu¬≠te nicht bes¬≠ser aus¬≠for¬≠mu¬≠lie¬≠ren, aber es stimmt. Sie sind anders, als ande¬≠re Hun¬≠de. Manch¬≠mal kom¬≠men sie mir ein biss¬≠chen wie Kat¬≠zen vor. Sie leben jeden¬≠falls defi¬≠ni¬≠tiv in drei Dimen¬≠sio¬≠nen. Wenn dein Hund kei¬≠nes¬≠falls auf die Couch oder ins Bett soll, mach dir schon mal einen guten Trai¬≠nings¬≠plan. Ein Lagot¬≠to wird das sehr oft hin¬≠ter¬≠fra¬≠gen. Auch auf St√ľh¬≠len, Tischen und Fens¬≠ter¬≠b√§n¬≠ken bewe¬≠gen sie sich so selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich wie kaum ein ande¬≠rer Hund, den ich ken¬≠ne. 

Lagot­ti sind anspruchs­voll, aber am rich­ti­gen Platz abso­lu­te Traumhunde.

Aus mei¬≠ner Sicht ist ein Lagot¬≠to der per¬≠fek¬≠te Hund f√ľr Men¬≠schen, die bereit sind hin zu schau¬≠en und auf ihren Hund einzugehen.

Einen Lagot¬≠to ver¬≠biegt man nicht. Gegen die Eigen¬≠hei¬≠ten anzu¬≠k√§mp¬≠fen ist m√ľ√üig und ich ver¬≠spre¬≠che dir: das wird Frust auf bei¬≠den Sei¬≠ten zur Fol¬≠ge haben. 

L√§sst man sich jedoch auf das Indi¬≠vi¬≠du¬≠um ein, hat man einen traum¬≠haf¬≠ten Part¬≠ner an sei¬≠ner Sei¬≠te. So sen¬≠si¬≠bel sie sind ‚ÄĒ sie ver¬≠zei¬≠hen nur wenig Feh¬≠ler ihrer Men¬≠schen. Wenn du also glaubst ein Wel¬≠pe sein ein wei¬≠√ües Blatt Papier und du bemalst es so wie es zu dei¬≠nem Leben passt ‚ÄĒ lass lie¬≠ber die Fin¬≠ger vom Lagot¬≠to. Mit Trai¬≠ning ist nat√ľr¬≠lich unglaub¬≠lich viel mach¬≠bar, aber nie alles. So nei¬≠gen Lagot¬≠ti, die zu hart trai¬≠niert wer¬≠den, bei¬≠spiels¬≠wei¬≠se dazu selbst hart und aggres¬≠siv zu werden.

Lagot¬≠ti sind ide¬≠al f√ľr Men¬≠schen geeig¬≠net, die einen ruhi¬≠gen All¬≠tag haben und sich bewusst mit dem Hund besch√§f¬≠ti¬≠gen m√∂ch¬≠ten. Per¬≠fekt w√§re nat√ľr¬≠lich etwas Inter¬≠es¬≠se an Nasen¬≠ar¬≠beit, dar¬≠in sind sie n√§m¬≠lich ein¬≠fach g√∂tt¬≠lich und gehen f√∂rm¬≠lich auf, wenn sie das tun d√ľr¬≠fen. Aber auch f√ľr allen m√∂g¬≠li¬≠chen ande¬≠ren Spa√ü sind sie zu haben. Sie sind zum Gro√ü¬≠teil sehr ver¬≠fres¬≠sen, spie¬≠len und arbei¬≠ten ger¬≠ne mit dem Men¬≠schen zusam¬≠men, was Trai¬≠ning in jeder Hin¬≠sicht ein¬≠fach macht. Bist du offen, freu¬≠dig und krea¬≠tiv, dann wird er alles mit machen. 

Mir ist wirk¬≠lich sehr wich¬≠tig zu beto¬≠nen, auch wenn ich mich wie¬≠der¬≠ho¬≠le: ich m√∂ch¬≠te die Ras¬≠se nicht schlecht reden. Ich m√∂ch¬≠te mich daf√ľr ein¬≠set¬≠zen, dass bewusst bleibt wof√ľr sie gez√ľch¬≠tet wur¬≠de und wel¬≠ches Poten¬≠ti¬≠al dar¬≠in steckt! So wohl posi¬≠ti¬≠ves, wie auch nega¬≠ti¬≠ves Poten¬≠ti¬≠al. Wir sind n√§m¬≠lich (ver¬≠mut¬≠lich?) alle kei¬≠ne Bau¬≠ern, die in den ita¬≠lie¬≠ni¬≠schen Ber¬≠gen irgend¬≠wo in Allein¬≠la¬≠ge leben und stun¬≠den¬≠lang durch ein¬≠sa¬≠me W√§l¬≠der spa¬≠zie¬≠ren um Tr√ľf¬≠fel zu jagen.

Und unter dem Strich sind es dann doch wie¬≠der alles Indi¬≠vi¬≠du¬≠en und du kannst jede Ras¬≠se¬≠be¬≠schrei¬≠bung ver¬≠ges¬≠sen, wenn du dei¬≠nen Hund anblickst und auf sei¬≠ne ein¬≠zig¬≠ar¬≠ti¬≠gen Bed√ľrf¬≠nis¬≠se ein¬≠gehst. 

Als Sp√ľr¬≠hun¬≠de sind sie die idea¬≠len Beglei¬≠ter: ech¬≠te Arbeits¬≠tie¬≠re und abends gl√ľck¬≠lich & zufrieden.

Auf Grund der hohen Nach¬≠fra¬≠ge habe ich den oben¬≠ste¬≠hen¬≠den Arti¬≠kel als PDF zum Down¬≠load f√ľr euch. Er darf ger¬≠ne geteilt und/ oder aus¬≠ge¬≠druckt wer¬≠den. Es soll¬≠te jedoch selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich sein, dass ich als Autorin genannt wer¬≠de und die Bil¬≠der nicht wei¬≠ter ver¬≠wen¬≠det werden!

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